Ankündigung vom Relaunch

 

Es ist ruhig geworden hier. Von einem Tagebuch konnte man zumindest online nicht mehr wirklich sprechen. Die Lust am Tagebuch führen verging mir für eine Zeitlang auch – sowohl on, wie offline (handschriftlich). Die Belastung seelisch wie körperlich war in den letzten Monaten und nicht zuletzt die letzten Wochen und Tage – so wie Stunden oft eine stärkere als ich dachte jemals aushalten zu müssen.

 

Eigentlich war ich immer der Meinung, wenn wir mal wieder besonders starke Schmerzspitzen (Peaks) auftraten, „schlimmer geht’s wohl kaum“ und ich musste bis eben immer wieder selbst berichtigen. Ich denke – auch wenn sich das jetzt grausam anhören wird, die Schmerz Skala unabhängig ihres Schemas ist nach oben wie nach unten offen.

 

Sowohl für Interpretationen durch Ärzte, Angehörige – als auch für Betroffene selbst. Irgendwann kommt jeder an einen Punkt – an dem er sprachlos wird. So erging es mir jetzt eine ganze Weile. Ich funktionierte nur noch. Mehr schlecht als recht.
Da helfen einem aufmunternde Worte und der Rückhalt durch Familie und Freunde auch nur noch bedingt und man beginnt eine gefährliche Gratwanderung – die für manche Betroffene, im Abgrund endet. Entweder endgültig oder aber schwer verletzt.
Das mag nicht immer bedeuten dass jemand in den Freitod gegangen ist, es kann auch bedeuten – dass man sich als Person aufgegeben hat und von einer noch eventuell vorhandenen Restpersönlichkeit des Selbstbewusstseins, der Hoffnung und des nie zu ende gehenden Vorrats an Gutgläubigkeit (also auch eine Form von Hoffnung – oder dem Glauben an Gott oder eine andere „höhere Macht“ – falls die Hoffnung die man selbst nicht in ausreichender Form vorliegen hat – einem oder etwas anderem in die Hände gelegt hatte), dass alles besser wird – endgültig im Sumpf der ICD-Codes, Fallpauschalen, Schubladendenken, Sparwahnsinn und andere Kranke Sachen des Gesundheitssystems und Ärzteapparats verschwunden sind.

 

Kurzum:
Der endgültige Burnout der Seele. Schon vielleicht lange nach dem beruflichen Burnout wegen der Schmerzen und der Begleiterscheinungen, folgt nun der Abstieg, der Fall, der Sturz. Manche würden jetzt das Wort „Major Depression“ in den den Mund nehmen. vielmehr die Diagnose: Major-Depression.

 

Den hier beschrieben Status ordne ich noch eine ganze Ecke schlimmer ein. Viel zum Suizidalen Denken fehlt bei einigen dann auch nicht mehr, spätestens dann – wenn man laut, weinend (Ob Männlein, weiblich, Kind oder Greis, (Ex-)Manager oder (Ex-)Student, schluchzend vor sich hin stotternd oder manchmal auch schreiend die Worte: „MEIN LEBEN IST SCHEISSSE“ ausspricht.
Je lauter das erfolgt desto verzweifelter ist die Person – desto brenzliger ist die Zeit die die jetzt anbricht. Desto gefährlicher wird der Zustand.

Suizidale Gedanken, kennt jeder Schmerzpatient, fast jeder chronisch Kranke würde ich jetzt einfach in den Raum stellen, wie lange sich die Gedanken letztlich gehalten haben, zeigt wie entschlossen – jemand unter Umständen ist – den Gedankenzügen – Taten folgen zulassen.
Manche sind bereits so in ihrer negativ-Stimmung gefangen, dass die Umsetzung unmöglich wurde, wurde man jetzt zwar als unbeteiligter Außenstehende als „Gut“ ansehen dürfte, schließlich macht er es dann ja nicht… ist ein gefährlicher, Brandgefährlich Irrtum. Es macht lediglich das geplante etwas unmöglicher. Weiterhin besteht eine akute Gefahr für eine „abrupte Kurzschlusshandlung“ für Gedanken – die sich in den Gehirnwindungen für nur wenigen Millisekunden, Sekunden oder auch mal Minuten festhaken und dann dazu führen, dass jemand ein Auto in den Gegenverkehr lenkt, sich eine Überdosis verabreicht (egal mit welchen Mitteln), sich vor einen Zug wirft.

 

Und warum?

– Weil die Schmerzen nicht mehr aushaltbar sind!
– Weil die Zustände die mit dem Schmerz einhergehen untragbar – unfassbar sind oder wurden..
– Weil sich Ehepartner, Partner, Freunde, Familie und vielleicht die letzte Bezugsperson die er/sie noch hatte von ihm abgewendet hat, genervt von den (immer) wiederkehrenden Geschichten, Erzählungen und dem tagtäglichen Wahnsinn dessen man als chronischer Schmerzpatient ausgesetzt ist

Warum noch?
– Weil Ärzte einen gerne in Schubladen stecken, haben Sie eine Diagnose – ist eine mögliche 2te, 3te oder gar xte etwas was nicht in ihr denken passt. Schon im Studium so beigebracht wird es von den älteren Kollegen – an die jüngeren weitervererbt.
Unbewusst dessen Konsequenzen für alle – nicht nur für die Betroffenen selbst – die sich vielleicht neben einem Schmerzfreien Leben – endlich auch eine Klärung versprechen.
– Manchmal da bleiben, leider bestimmte Schmerzsymptome einfach unter einem Deckmantel verborgen, erklärt mit einer anderen Erkrankung.  Erst zum Problem werdend – wenn die vorhandene Dosis nicht mehr ausreicht oder aber andere Begleitsymptome nicht mehr zur ursprünglichen Diagnose passen.
– Manchmal wird auch gänzlich darauf verzichtet – gründlich – nach der Ursache zu suchen und so vergehen Jahre, Jahre in denen sich etwas aufbaut. Das wir eigentlich gar nicht verstehen und schon gar nicht behandeln können.
Das so genannte Schmerzgedächtnis ist noch immer mehr Mythos und Rätsel als etwas was Mediziner wirklich verstehen würden.

Auch wenn es in den letzten Jahren 2011 bis 13 schon besser geworden ist, herrscht meiner Ansicht nach noch immer die Allgemeine Meinung, die die in den Uralten Fachbüchern gerade zu propagandiert wird, dass man alles mit Vorsicht betreiben sollte – Vor allem der Umgang mit Schmerzmitteln.
Im Krassen Gegensatz stehen dann Fernsehwerbespots in denen OHNE Aufklärung – dass Schmerzen in der Regel einen Grund haben und dass gerade bei Kindern – der erste Gang dem Arzt gelten sollte und nicht dem in die Apotheke um dort ein Rezeptfreies, zum Teil hochgefährliches (in Daueranwendung oder leichter Überdosierung) Schmerzmittel zu erwerben. Wo bleibt da die Bundeszentrale für Aufklärung. Stattdessen dreht man sinnlose Spots übers Koma Saufen und zeigt Sie dann – wenn ohnehin keiner aus der Zielgruppe vor der Glotze sitzt…..

Aus dem EU-Ausland (Österreich, Schweiz, Frankreich, Baltikum!) und den USA kommt der Trend, erst klotzen dann PAUSE verschaffen. Dem Patienten die Chance geben – sich zu erholen. Die Schmerzmittel so zu dosieren – dass sich gar nicht erst ein Schmerz Gedächtnis aufbauen kann. Hier tastet man sich leider noch an die Methode heran. Mit den Folgen – werden wird noch Jahrzehnte zu kämpfen haben und die „arme“ Pharmaindustrie wird gut daran verdienen. Denn einmal da – ist es schwer das Gedächtnis – sofern man es so bezeichnen kann – wieder zu „resetten“ oder zu löschen. Um das Jahr 2000 herum gab es Versuche mittels Ketamin, schwierigen, komplizierten Schmerzpatienten das abgespeicherte „Schmerzgedächtnis“ zu löschen. Leider verfolgte man es damals auch aus Mangel an Beweisen und natürlich auch den möglichen Gewinnchancen rechts schnell.
Erst jetzt lese ich in den großen US Magazinen und auch in Fachbüchern von ersten Neunansätzen in diese Richtung.
Denn Neben einer Umfangreichen Abklärung – sofern ein Schmerz nicht mehr akut (14 Tage max.) sondern sich chronisch auswirkt (>14Tage), sollte ein gründlicher Rundum Checkup durchzogen werden, sofern die Ursache nicht zu 100% durch bestimmte Erkrankungen, Unfälle oder evtl. Gendefekte erklärt werden kann. Sollte das ohne Ergebnisse verlaufen und wirklich erst dann, kann man auch einen psychosomatischen Ansatz – als Hebel einsetzen. Oft genug – wird der Psychosomatik Ansatz aber viel zu früh und viel zu intensiv zum Einsatz gebracht und kostet Menschenleben.

 

Ich habe das nicht nur einmal erlebt und möchte mich nicht selbst zur Statistik dazu zählen müssen, nur weil bestimmte Ärzte glauben – was Ihnen ihre Mentoren während des Studiums vor 5, 10,15 oder x-Jahren einmal erzählt haben. Kaum ein anderes Betätigungsfeld hat so viele Neuerungen in Sachen Forschung und Erkenntnissen wie die Medizin, da sind schon 20 Monate viel – die über Leben und über Tod entscheiden können.

 

Hört endlich auf damit in Schubladen zu denken, denkt frei. Hört den Patienten zu. Wenn ihr Ihnen anschafft – die Beschwerden – schriftlich zu verfassen – dann legt den Zettel nicht „ungelesen, unbeachtet“ in die Akte und vergesst ihn…. Die Arbeit kann sich der Betroffene dann gleich ersparen und auch die verbundene Enttäuschung in diesem Zusammenhang.

 

Kein Mensch hat gerne Schmerzen (zumindest mal nicht wir Schmerzpatienten), was andere als Sexuelle Neigung ausleben – viel Spaß dabei. Mir jedenfalls gefällt es keineswegs, dass die Schmerzen ein ständiger Begleiter meines Lebens sind.

 

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Warum schreibe ich diese Zeilen?
Wieder hat jemand – sich aufgegeben – missverstanden – und zuletzt unerkannt und nicht behandelt – weil unter „Psycho“ eingeschoben – verstorben an einem Tumor der sich zwischen einem der Halswirbel ausbreitete und so unfassbare – nicht einmal mir vorstellbare Schmerzen verursacht haben musste.
Er war zwar irgendwie mit Schmerzmitteln versorgt auch solche für Peaks (Spitzen) , aber – aus den Mails – die mir zuflossen – reichte es hinten und vorne nicht.
Er war schon bei fast 1200mg Morphin (auf 105kg durchtrainiert, bei 1,88m) und dazu Fentanyl (Buccaltablette,zuletzt auch Spritzen: Dipidolor….) und ergänzte um die angesetzten Psychopharmaka it Alkohol. Was ihm zum Verhängnis wurde. So der Angehörige – dessen Worte der letzte Kontakt darstellte.
Man stellte vor gut 7 Jahren die Diagnose, Prolaps + Spinalkanalstenose (soweit ich sehe, hat er das ganze einige Etage über der Meinen, also den massiven Prolaps [3x Operiert auf L3/L4) und die Spinalkanalstenose eine Etage tiefer auf L4/L5.
Eigentlich auch eine ähnliche Karriere durchlebt – wie es vielen Schmerzpatienten geht: unzählige Listen an Medis, die mal funktionierten – aber mit massiven UAW oder Fehlwirkungen,  die oft genug aber auch nciht funktionierten oder dessen Wirkung in keinem Verhältnis zu den Nebenwirkungen standen.

 

Hat dann mal etwas geholfen – so schob die Kasse irgendwann einen Riegel vor und verweigerte die Kostenübernahme, obwohl er Jahrelang in die Kasse, hohe Beträge einbezahlte. Verweigerte man ihm dieses eine Medikament – weil „Off-Label“ Einsatz oder aber weil Morphin noch immer der Goldstandard sei und schließlich sei es das gleiche wie andere Opiate….

Die Folgen: Arbeitsunfähigkeit, sozialer Abstieg – sind dann ein Faktor – dessen sich die kühlen Rechner der Krankenkassen, die herzlosen und geldgierigen Controller im auftrag des ShareholderValue der privaten Kliniken gänzlich unbewusst sind.
Viele haben nur den Bonus in den Augen…. gerade am Jahresende. Unabhängig  vom persönlichen Schicksal.
Für Sie sind die Fälle nur Nummern ohne Bilder, Konsequenzen… Nur Geld zählt.
Ich wünsche Niemandem dass er Schmerzen hat – aber solchen Leuten – gehört es manchmal nicht anders – wenn in Gesprächen unter Gleichgesinnten abends in der Eckkneipe oder dem Weinlokal, abwertend über den Personenkreis gesprochen wird.

Hoffentlich werden Sie dann Opfer des Rotstifts und erleben den Sparwahn am eigenen Leib.

 

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Zum Relaunch:

Ich werde zum Dezember den Blog neu aufstellen und mit einem neuen Projekt verbinden – für den Anfang und dann hoffentlich mit Hilfe anderer Menschen das Projekt weiter ausbauen und so wieder den Tagebuchbetrieb aufnehmen können.
Auch weil sich bei mir jetzt endlich was in Sachen Ursachen Forschung bewegt – nachdem Mann wie Frau Doktor sich immer wieder festgefahren hatte.

Ich habe aufgehört zu zählen – wie viele Fehlschläge es waren – sagen wir es mal so: „zu viele“ als dass man es zählen dürfte. Da zähle ich lieber die Erfolge und die Sorte von Ärzte, bei denen der Patienten noch ein Mensch mit Würde ist – und keine pure Kostenstelle  bei dem es um „Maxprofit“ geht.

 

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